ein bisher unbekanntes Gemälde
von Paul Gauguin . . .
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Aktuelle Auswahl: Geschichte


Das Gemälde wurde im Jahre 1979 in einer Villa in der Nähe von Belgrad gefunden. Es lag zwischem einem Stapel Tageszeitungen des Ausgabejahres 1938. Das Bild war total verklebt, feucht und verdreckt. Ein Teil der Zeitungen hat dem Bild angehaftet.

Im Jahre 1980 wurde das Bild zu einem Gemälderestaurator (Name bekannt) gebracht. Das Bild war mit einer rötlichen Lasur übermalt. Es waren nur Konturen ersichtlich und die Signatur konnte man schwach lesen.

Der Restaurator hat nach anfäglichem Zögern mit der Restaurierung des Bildes angefagen. Die rötliche Lasur mit der das Bild übermalt war ging von dem Bild ab und der jetzige Zustand des Bildes war zu sehen. Der Restaurator äußerte seinerzeit bereits seine persönliche Überzeugung, daß es sich um ein echtes Werk von Paul Gauguin handelte.

Ein Jahr später erschienen im Jahre 1981 in der kroatischen Zeitung "Vecernji List" Berichte bezüglich eines Kunstsammlers namens Erich Slomovic. Aus den Berichten ergibt sich, daß der Sammler Erich Slomovic als junger Mann bei dem Kunsthändler Ambroise Vollard in Paris beschäftigt war. Dies muß im Zeitraum von 1931 bis zum Tode des Ambroise Vollard 1937 gewesen sein. Es wird auch angedeutet, daß der Sammler Slomovic ein intimes Verhältnis zu Ambroise unterhalten hat, wobei bekannt ist, das Vollard wohl homosexuell war.

Im Jahre 1938 soll Erich Slomovic nach Zagreb zurückgekehrt sein. Er habe anläßlich seiner Rückker 190 Bilder angesichts der unsicheren politischen Lage in Paris zurückgelassen und in einem Banksafe deponiert. Die restlichen Werke habe er mitgenommen. Dieser Banksafe wurde kurz vor der Berichterstattung in der Zeitung "Vecernji List" von der Pariser Bank geöffnet und die Bilder kamen ans Tageslicht.

Nachdem Erich Slomovic aus Frankreich nach Zagreb zurückgekehrt war, kam es zum zweiten Weltkrieg, welcher sich leztlich über ganz Europa ausdehnte. Am 23.11.1940 veröffentlichte die Tageszeitung "Vecernji List" in Zagreb einen Artikel, aus welchem hervorgeht, daß der Besitzer der Kunstsammlung Erich Slomovic sich entschlossen habe, selbst eine Ausstellung auszurichten, weil öffentliche Stellen angesichts der politischen Umstände dazu nicht in der Lage seien.

Nach der Ausstellung in Zagreb soll Erich Slomovic nach Belgrad gezogen sein. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft wurde er von den Nazis verfolgt und floh nach Bacin in der Nähe von Varvarin. Sein Vater Bernard und sein Bruder Egon waren ums Leben gekommen. Später fiel auch er den Nazis zum Opfer. Seine Mutter Rose hatte überlebt, sei dann allerdings bei einem Zugunglück ums Leben gekommen. Während dieser Reise per Bahn hatte sie die Kollektion von Bacin nach Belgrad in Sicherheit bringen wollen. Dies sei 15 Tage vor der Befreiung Belgrads gewesen. Frau Rose Slomovic habe sich bei einem Herrn Dr.Riba gemeldet und um Audienz gebeten. Herr Dr. Riba, welcher ein sehr guter Freund von Erich Slomovic war, sollte die Sammlung für das Nationalmuseum übernehmen. Deshalb mußte sie mit dem Zug nach Belgrad mit transportiert werden.

Die gesamte Kunstsammlung sei in dem Eisenbahnwaggon Nr. 113 des Zuges von Nis nach Belgrad verstaut gewesen. In einer Dezembernacht ist dieser Zug 7 km vor Velikeplane verunglückt. In dem Waggon saßen zwei Frauen und zwei Kinder. Große Metall-Kassetten mit Möbelteilen und Bildern etc. gingen bei dem Zugunglück in dem hölzernen Waggon in Flammen auf. Es gab viele Tote, darunter auch Rose Slomovic, die Mutter von Erich Slomovic.

In der Nachkriegszeit wurden viele Kunstobjekte aus der Sammlung über ganz Europa verteilt. So wurde behördlich bekannt, daß in ausländischen Diplomatenkreisen gemunkelt werde, man könne in Belgrad auf dem Schwarzmarkt unter der Hand französische Impressionisten erwerben und kaufen.

Fest steht, daß nach dem Zugunglück nur ein Teil der Sammlung an Dr. Iwan Riba zwecks Veröffentlichung gegangen ist. Dieser hat die verbleibenden Teile der Sammlung Slomovic im Nationalmuseum Belgrad abgeliefert. Aus den Berichten ergibt sich auch, daß laut Überlieferungen die Bilder und Kunstobjekte im wesentlichen aus dem Erbe Ambrois Vollard, dem engsten Freund des Sammlers Slomovic, stammen.

Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit dafür, daß das hier interessierende Werk aus dem Nachlaß des Erich Slomovic stammt und zu einem jener verschollenen Bilder zählt, welche nicht bei Dr. Iwan Riba angekommen sind.

Am 28.4.2003 wurde ein naturwissenschaftliches Gutachten vom microanalytischen Labor Prof. Dr. Jägers und Dr. Jägers in Brühl erstellt, welches zu dem Ergebnis kommt, daß sich keine Argumente gegen eine Zuordnung zu Paul Gauguin ergeben.

Auf Rückseite an der Falzkante des Bildes befindet sich ein Stempel (wahrscheinlich Zolleingangsstempel von der Hafenbehörde Marseille).

Bisher ist das Bild nicht katalogisiert, das heißt unbekannt. Wie bereits dargelegt, sind etliche Werke aus dem Slomovic Nachlaß abhandengekommen, so daß es nicht auszuschließen ist, daß auch dieses Bild zu den Verschollenen gehört und daß es evtl. denjenigen zuzuweisen ist, welche in der Nachkiegszeit auf dem Schwarzmarkt verkauft wurden.

Beim Studium diverser Gauguin-Literatur ist aufgefallen, daß die auf dem Bild abgebildete Frau eine gewisse Ähnlichkeit mit der auf dem Bild "Land der Wonnen" abgebildeten Frau aufweist (siehe P. Gauguin das verlorene Paradies, Folkwang Museum Essen, Seite 74). Auf Seite 76 im vorgenannten Werk wird ausgeführt, daß die in "Land der Wonnen" dargestellte Frau sonst nicht in Gauguins Werken erscheint. Aus diesem Grunde vertreten die Forscher die Meinung, daß es sich wahrscheinlich um "Titi" handele. Falls Gauguin sie überhaupt gemalt habe, dann wohl kaum mehr als ein oder zweimal, weil die Periode ihres Zusammenlebens unter einem Dach nur wenige Wochen dauerte.

Dieser Auffassung widerspricht der Autor Kostenewitsch. Er hält es für wahrscheinlicher, daß es sich nicht um die Titi handele. Die Frau in "Land der Wonnen" verkörpere eine archaische Primitivität etc. Bezüglich der weiteren Ausführungen siehe angebene Fundstelle.

Auch weitere im Jahre 1892 entstandene Bilder zeigen weniger die ansonsten oftmals feingliedrig gemalten Frauenbildnisse, sondern eher grobschlächtige Personen, so z.B. auf den Bildtafeln 22, vor allem 23 des vorgenannten Werkes.

Darüber hinaus sind beim Studium des Werkes "P. Gauguin" vom Tahiti Hatje Cantz Verlag folgende Umstände aufgefallen:

a) Auf Seite 20 unten, 21 oben, spricht der Autor Christoph Becker von Stillleben Gauguins der späten 80iger Jahre, und dass diese aus stillistischen Gründen vor der ersten Tahiti-Reise während Gauguins Aufenthalten in Paris entstanden seien.

Insofern ist bemerkenswert, daß die Rückseite des hier interessierenden Bildes ebenfalls ein Stillleben aufweist, welches den Blick aus dem Fenster eines Zimmers, in dem lediglich ein linksstehendes Metallbett und ein an der Wand hängendes Bild zu erkennen sind, auf andere Häuser freigibt.

b) Es ist durchaus möglich, daß es sich bei dem vorgenannten rückseitigen Bild um ein solches handelt, welches anhand einer fotografischen Vorlage gemalt wurde wie Becker auf Seite 24 unten seines Werkes zu anderem Belang ausführt.

c) Auf Seite 26, 2. Absatz des Werkes von Becker wird dargestellt, daß um die Jahreswende 1891/92 Bilder entstanden, welche sich von den vorangegangenen stillistisch krass unterschieden. Die Kompositionen wurden flächiger, die Konturen härter und das formale und farbliche Repertoire wurde eingegrenzt. Gauguin benutze scheinbar primitive Gestaltungsprinzipien. Desweiteren wird ausgeführt, daß Gauguin sich bei diesen Bildern an Fotografien von Reliefs aus unterschiedlichen Kulturkreisen der römischen Antike etc. orientierte. Auf Seite 32 des Werkes von Becker sind 2 Zeichnungen mit Frauenköpfen dargestellt, welche sehr stark an das hier in Rede stehende Bild erinnern.

d) Auf Seite 36, 2. Absatz, 6 letzte Zeile führt Becker aus, daß Gauguin im Juni 92 in Briefen über die Veränderungen in seinem Schaffen berichtete. Er begänne nun wahrhaft "ozeanischen Charakter" anzunehmen etc. Diese Ausführungen sprechen dafür, daß Gauguin bis zu diesem Zeitpunkt primitivere Darstellungen bevorzugte so wie das hier vorliegende Bild.

e) Seite 52-57: Die auf diesen Seiten abgebildeten Frauen weisen eine große Ähnlichkeit mit dem hier in Frage stehenden Bild auf.

f) Seite 58: Der Autor führt aus, das Tea' Amana groß war und auf Fotografien korpulent wirkte.

g) Seite 59: Im April oder Mai 1893 schrieb Gauguin, daß er seit 2 Monaten nicht mehr arbeite; er beobachte nur und denke nach und mache Skizzen. Während zweier Jahre, darin nur wenige Monate verloren gewesen seien, habe er 66 mehr oder weniger gute Bilder ausgeheckt und einige Schnitzereien. Dies sei genug für einen einzigen Menschen.

h) Seite 62, 2. Absatz: Gauguin verkaufte nach seiner Ankunft in Marseille am 30.8.1893 eine größere Zahl von Bildern, um seine Schulden zu tilgen. Alsdann bereitete er die Ausstellung in der Galerie Durand-Ruel vor.

i) Außer in der Galerie Durand-Ruel war Gauguin auch in zwei Ausstellungen der Galerie Le Barc de Boutteville und ab Dezember mit Frühwerken in der Galerie von Ambroise Vollard präsent.

Zusammenfassung:
Man kann davon ausgehen, daß das Bild aus dem Nachlaß "Slomovic" stammt und daß dieser dieses Bild während seines Frankreich Aufenthaltes erworben hat, entweder von Ambroise Vollard oder anderweitig. Mehr spricht für die erste Variante. Gegebenenfalls ist es möglich über den sogenannten "Fond Vollard", welcher in Paris eine umfangreiche Dokumentation bezüglich des Schaffens des Kunsthändlers vorhält, weitere Informationen zu gewinnen.

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